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KünstlerInnen und KunstvermittlerInnen sind aufgefordert wie lange nicht zuvor, den kulturellen Auftrag der Gesellschaft in besonderer Weise Ernst zu nehmen. Unser Selbstbewusstsein ist angeknackst, unsere Identität fragmentiert: Das sind die besten Voraussetzungen, um - aufmerksam für Details und Veränderungen - Strukturen und Möglichkeiten zu schaffen, die die Heterogenität und die Unvereinbarkeiten unseres Lebens als eine zeitgemässe und friedenstiftende Haltung ermöglichen und sicherstellen. Dies ist eine Gratwanderung, denn Kunst soll nicht für sozialpolitische Aufgaben instrumentalisiert werden. Aber sie kann und muss Position beziehen hinsichtlich der anstehenden Aufgabenfelder, wie zum Beispiel: freies Denken, uneingeschränkte Phantasie, Kritikfähigkeit oder Toleranz. Dies ist ein feinstofflicher Prozess, der in den jeweiligen Zusammenhängen, den verschiedenen Ländern, an den unterschiedlichen Orten individuell entwickelt werden muss. Aber in jedem Fall fusst dieser Prozess immer auf Kompetenz, Überzeugungskraft und Verstehen. Was sich die Kunst seit den 60er Jahren an reflexiven Instrumentarien erarbeitet hat, kann sich nun in einem neuen Selbstbewusstsein für die tatkräftige Allianz zwischen Kunst und Gesellschaft zeigen. Das Wissen und die Neugierde um das Verhältnis zwischen Ästhetik und Inhalt, Empfindung und Intelligenz, Gefühl und Wissen schaffen die notwendige Basis für ein zukunftsorientiertes Arbeiten im Spannungsfeld Kunst und Gesellschaft.
Dorothea Strauss
Freiburg i.Br.
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