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Gesucht wird ein Unbekanntes. Ich möchte Ihnen zwei Verfahren vorstellen, die es ermöglichen, in diesen kreativen Prozess einzutreten: 1. Das Erfinden. 2. Das Entdecken.
Die Potentialität einer Erfindung wird bestimmt durch den Ort, die Schablone, das (höchste) Muster oder eben das "Bild": Diese scheinbar allgemeinen Größen bilden eine Konstellation, die eine Erfindung als Exemplarisches - allererst hervorbringen kann.
Erfinden heißt, etwas zu entwickeln, was noch nicht entwickelt worden ist. Es heißt, "neue Konstellationen" herzustellen. Kurz: Es heißt Produktion. Eine Erfindung kann nur innerhalb eines Prozesses gedacht werden. Doch dieser Prozess gibt nur vermeintlich eine neue Entwicklung vor. Denn genaugenommen konstelliert er Altbekanntes. Bei manchen Erfindungen markiert, zumindest juristisch, das angemeldete Patent, dass etwas bisher Unbekanntes entwickelt worden ist. Nun aber ist es katalogisiert, zur Wiedererkennung aufbereitet, mit dem Geheimnis seiner Herstellung zumindest für die Konkurrenten - umgeben. Auch wenn die Kunst oft dieses Geheimnis abruft, kann sie sich nicht auf die rechtlichen Möglichkeiten eines Patentes berufen. Wird sie erfunden, und das wird sie außer Frage immer, so sind die Bedingungen der Erfindung das, was sie erst zur Kunst macht.
Auch die Ent-deckung gehört zu den Verfahren, die es ermöglichen, "Neues", "Fremdes" bzw. "Unbekanntes" zu beschreiben und zu beweisen. Was ist aber "neu"? Bekanntlich fanden die berühmten Entdecker im 19.Jh., aber auch Kolumbus, immer nur das, was sie gesucht hatten. Grundsätzlich wird das gesuchte/gefundene "Neue", welches identifizierbar gemacht und dann eben nicht mehr "neu" ist, als Ent-deckung bezeichnet. Identifizierbar wird es, indem es katalogisiert, benannt, eingeordnet, ggf. topografiert wird, so dass es wiedererkannt und verwaltet werden kann.
Mit dem Begriff "Ent-deckung" wird die Institutionalisierung und Etablierung des "Fremden" und "Neuen" in der Wissenschaft, Forschung und auf dem Kunstmarkt eingeläutet. "Ent-deckung" bezeichnet etwas, das "ent-hüllt" wird, das noch nicht gekannt und gesehen wurde aber dagewesen sein muss. Wortwörtlich: Die Ent-deckung nimmt etwas aus der "Deckung". Es liegt nun offen da. Ent-deckung kann also auch heißen, etwas sichtbar zu machen, was bisher "unsichtbar" war.
Voraussetzung dafür, etwas sichtbar zu machen, ist, dass es da etwas "Unsichtbares" gibt, das hervortreten kann. Ein solches Konstrukt geht, so schreibt der Medientheoretiker Christoph Tholen, von einer "konstitutiven Unsichtbarkeit" aus, die das Sichtbare oder Zeigbare rahmensetzend allererst eröffnet, indem es sich diesem Rahmen entzieht. Ent-deckung ist durch das vorgängige "sich zu erscheinen geben" denkbar. Die Ent-deckung trägt zur Konstitution eines "Unbekannten" bei, welches das "Fremde" ist.
Nur dann wäre es Ziel der KunstwissenschaftlerInnen, "Neues" zu finden und zu katalogisieren und so in ein "Bild der Kunst" einzufügen.
Fazit ist:
Etwas "Unbekanntes" kann sowohl erfunden als auch entdeckt werden. Dabei steht ein erfundenes und entdecktes sogenanntes Unbekanntes (X) immer notwendig in Bezug zu einem Bekannten, welches sich notwendig im Exemplarischen zeigt. Denn nur dann ist es wahrnehmbar. Referenz ist also das Exemplarische eines ("meines") "Bildes" der Kunst.
Vielleicht könnte man zunächst annehmen, die Erfindung sei Sache der KünstlerInnen und die Entdeckung die der KunsttheoretikerInnen und KuratorInnen. Aber Erfinden wie auch Entdecken ist ein Prozess, der sich strukturiert durch die Vorbedingungen von Produktion und Sichtbarmachung: durch die Medien. Allerdings wird bei der Entdeckung ein Vorheriges als existent angenommen, während bei der Erfindung die einzelnen Elemente der Konstellation als schon vorhanden gelten und das erfundene Bild der Kunst bestimmen.
Für beide gilt dann: Das Wissen wird durch die Medien strukturiert und konstituiert. Neue Modelle von KuratorInnenschaft und Präsentation sind die konsequente Fortsetzung dieser Überlegung. Die KuratorInnen stehen ebenso wie die KünstlerInnen im Wechselspiel der Modelle "Erfinden" und "Entdecken". Und das nicht erst mit dem Internet und den Möglichkeiten der "Netzkunst". Aber mit den digitalen Medien und der Kommunikation durch das Internet eröffnen sich andere Möglichkeiten, diesen Wechselwirkungen nachzugehen und in immer neuen Präsentationsformen Definitionen von Kunst und Wissenschaft zu befragen, die ihrerseits und deren Beziehung durch die Medien bestimmt ist. Man muß sie diese Formen und Definitionen - erfinden. Und jeder Schritt bleibt eine Erfindung und Entdeckung auch von Positionen.
Andrea Sick
Bremen, Germany
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