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watshino koewo
meine stimme
Das Bild der Kunst von morgen definiert sich immer durch die dann herrschende condition humaine. Unsere Handlungen und Attribute, unsere intuitiven und reflektierten Positionen sind zu tief verwurzelt mit dem gesellschaftlichen Codex, den wir verkörpern (...), um gleichzeitig eine gesunde, relativierende Distanz dazu einnehmen zu können. Meines Erachtens kann die Kunst bedeutend bleiben, wenn sie eine Distanz zur Medienwelt und zu hierarchisierenden Diskursen aufrecht erhält, z.B. eine kritische Distanz zu der sich schleichend breit machenden GATS (General Agreement on Trade in Services) etc.
Als Arbeitsweise steht mir stets die langsame proustsche Weltsicht vor Augen: Die gewonnenen Einsichten, erworben durch langes, präzises und geduldiges Beobachten unserer Bühnen, d.h. unserer alltäglichen Handlungen und Rituale, fliessen in das Werk ein. Durch das Zusammenfügen diverser beobachteter Eigenschaften werden neue Charaktere, wird eine neue Geschichte geboren: eine friedliche.
Dieses Bild sollte vielen KünstlerInnen bekannt vorkommen. Während des Erarbeitungsprozesses eines Werkes wird, sich an kleinen alltäglichen Ritualen orientierend, versucht, den Einfluss öffentlicher Meinungen und offiziell gängiger Diskurse zu umgehen, um bessere Sicht auf sich und das eigene Werk zu erwerben. Wenn wir gegenüber der beschleunigungsreichen, effizienten und sich durch materielle Werte auszeichnenden Welt obige, sich durch Langsamkeit definierende Vorgehensweise stärker betonen würden, wäre uns schon sehr geholfen.
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mewotoji, mewotoji
mit geschlossenen augen. geschlossen
Wollen wir auch in Zukunft Werke erarbeiten, welche die Qualität haben betroffen zu machen, dann sollten wir uns nicht auf die Untersuchung technisch-formalistisch geprägter Voraussetzungen beschränken, d.h. wir sollten nicht nur recherchieren, welche Materialien und idealen Präsentationsformen und -orte (im Netz, im urbanen-öffentlichen Raum) und welche Konzepte und Repräsentationsformen (Bedeutung und Bewegung der Werke) es geben könnte, sondern wir sollten uns und unseren Studenten auch folgendes verschreiben:
- - Formen von Langsamkeit und Konzentrationsstimulierung;
- - Sinnlosigkeit und Zeitverschwendung;
- - Zärtlichkeit und Sentiment und
- - Respekt gegenüber dem, dessen kulturelles Erbe man nicht versteht.
Eine sich durch "creole-Bewegungen" und creole-Gesetze definierende Kultur sollten wir fördern, eine Kultur, die die hierarchische, monolithische und rein abendländische Kultur weiterhin zerstückelt.
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jikanawa tomaru
angehaltene zeit
Wenn wir uns weiterhin darin üben, uns den GAGA der öffentlichen Meinung nicht anzueignen dieser fördert sowieso nur den Produktivitätswahn, den 24 Stunden zur Verfügung Stehen-Rhythmus und stärkt nur hierachische Weltbildauffassungen, die nur wenige reicher macht (u.a. die Abendländer), um die meisten Weltvölker arm und "draussen" zu halten , sondern vermehrt unsere eigenen Bedürfnisse und Respekt, Integrierung und Aneignung des Unbekannten als Referenz nehmen, dann können wahrscheinlich Werke entstehen, welche gerade das aufgreifen, was dem Alltag verwehrt bleibt. Themen wie z.B. Todesakzeptanz/-verdrängung/-angst oder Kreolisierungsspiele können nur durch eine langsame, besinnliche und empathische Arbeitsweise erarbeitet werden.
ich dreh mich um
und du singst
Lehren wir unsere KunsthochschulstudentInnen, dass die abendländische Kunst-, Geschichte und "unser" Kunstmarkt die white-cube Galerien sowie die konservativ ausgerichteten nur Top-100-Künstler-fördernden Kunsthallen nicht Referenz und Masstab aller Dinge sind, dann kann, dann geht die Kunst, die visuelle Kunst, so wie wir sie kennen, einer Sinn-vollen Zukunft entgegen.
KünstlerInnen sollten sich meines Erachtens wie in den 70er Jahren des letzen Jahrhunderts vermehrt in Künstler-Initiativen organisieren. Initiativen, welche sich dem Prozesshaften, der Bewegung und nicht einem Endprodukt, einem Ziel, verschreiben. Das Spiel, die Recherchen an sich, stärken das Mentale und Soziale, sind Lebenselixier.
Realistisch gesehen werden die wenigsten KünstlerInnen von ihrer Kunst leben können. Damit sollte man sich abfinden, aber das soll niemanden davon abhalten, sinnlos-sinnvolle, kritische und Lebensfreude vermittelnde Beiträge einzubringen. Möchten wir, dass unsere schon differenzierte Kultur sich weiterhin der Meinungsvielfalt verschreibt, dann sollten Förderungsstiftungen, noch mehr als es nun bereits der Fall ist, experimentierfreudige Künstler-Initiativen, d.h. Laborarbeit unterstützen. Durch die Unterstützung und Förderung risikofreudiger und prozessorientierter Projekte, der Keimzellenkultur, wird auch das Überdenken aktueller Haltungen und Positionen stimuliert, und dies wird längerfristig wiederum gesellschaftlich Einfluss nehmen.
Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die meisten Stiftungen keine Projekte unterstützen, die sich durch längerfristige prozessorientierte Recherchen definieren. Wie verteilen wir unsere Förderungsbeiträge?
welchen Prozentsatz der künstlerischen Projekte geben wir an prozessorientierte künstlerische Laborprojekte, welchen Prozentsatz an KünstlerInnen, denen noch keine Position im System, d.h. in der Kunstwelt, zugewiesen wurde, welchen Prozentsatz geben wir an KünstlerInnen, die durch eine oder mehrere Galerien vertreten werden, und welchen Prozentsatz erhalten Kunstvereine, die überwiegend marktbekannte (durch kommerzielle Galerien geförderte) KünstlerInnen fördern.
Eine gerechte Verteilung zwischen KünstlerInnen, die versuchen, einen eigenen Rahmen und eigene Parameter zu entwerfen, und KunstproduzentInnen und Institutionen, die Teil der etablierten Kultur sind, soll angestrebt werden.
Einen grossen Teil meiner Zeit verbringe ich mit KünstlerInnen, und seit Jahren beobachte ich, wie sich bei vielen jungen KünstlerInnen einige Jahre nach Akademieabschluss ein Frust anstaut. Die Kunstausbildungsstätten "liefern" überwiegend kunstmarktfokusierte Absolventen. Während der Ausbildungszeit werden existierende Präsentationsstrategien kaum zur Debatte gestellt, werden Initiativen und Plattformen, die unabhängig von den Märkten operieren aber kulturell Wertvolles erarbeiten könnten -, wenig stimuliert. Die ProfessorInnen beschränken sich überwiegend auf die Vermittlung des Objektdenkens, überwachen die Herstellung von Produkten. Die sozialen Felder, das in Bewegung, Kommunikation und Interaktion Denken sind Fremdwörter in vielen Vokabularen der Lehrbeauftragten!
Meistens verlieren sich junge KünstlerInnen nach Hochschulabschluss in verspielten Recherchen. Dieser Prozess stagniert "ein wenig" von dem Moment an, wo sie Teil des Kunst-Marktes sind. Die künstlerische Haltung wird ab dann auch durch wirtschaftliche Gesetze mitbestimmt und der Produktionszwang mündet öfters in ein "mehr vom selben nur ein bisschen anders" Werkvokabular. Das Überdenken der eigenen Position wird übertrieben formuliert undenkbar.
Die jüngeren, für den Kunstmarkt produzierenden KünstlerInnen brauchen ihre Förderbeiträge, um mit den Marktbedingungen umgehen zu können, um den Produktionsstress in den Griff zu kriegen. Die Labor-KünstlerInnen brauchen sie, um neue/andersartige Basisvoraussetzungen diskutieren und ermöglichen zu können. Sie brauchen sie, um zu recherchieren, welche Handlungen, Positionen und Bewegungen die Kunst in unserer Zeit und in der ganz nahen Zukunft einbringen soll.
Die Stimulierung einer hochsensiblen Persönlichkeit ist ein Teil, die Stressreduzierung, welche durch materielle Unterstützung möglich wird, ein anderer wesentlicher Aspekt, um ein bei sich sein" zu ermöglichen. Gerade Letzteres bleibt Hauptvoraussetzung, um Werke und Konstellationen zu erarbeiten, die uns BetrachterInnen treffen, neugierig machen und sich bei uns ins Langzeitgedächtnis einschreiben. Mit weniger dürfen wir im kommenden "Freiheit & (bio)Determinierungs"-Zeitalter nicht zufrieden sein.
harm lux
* Fragmente aus Laurie Andersons CD "Mr. Heartbreak"
(Nummer: KoKoKo), die während des Schreibens lief. |
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