Vera Gliem



Die Kunst befindet sich seit jeher in einem Prozeß, für den ständig aufs Neue gearbeitet werden muss. Rückgriffe auf bereits Beobachtetes, Erzähltes oder Geschriebenes sind dabei erwünscht. Jede neue Epoche bietet jedoch ihre eigenen Herausforderungen.

Im Sommer in Bottrop Ski zu fahren oder das Paradies auf Erden sind mittlerweile Träume der Kategorie "schnellebig" - und mit Indoor-Skihallen und dem Projekt Eden im englischen Cornwall bereits Realität geworden.

Die Kunst der Zukunft ist dagegen wie ein Traum, der noch nicht in Erfüllung gegangen ist. Für den brasilianischen Schriftsteller Paulo Coelho liegt die Kraft unserer Träume "offensichtlich darin, unsere Sicht der Dinge und damit am Ende auch die Welt zu verändern". Für die Kunst kann dies gleichermaßen gelten: Fern der Realität soll sie daherkommen, mit einer riesigen Kluft zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, damit auch Zufälliges entstehen kann. Auffällig soll sie sein und mit Zutrauen in die eigenen Instinkte, um individuelle "Wunschbilder" zu entwerfen.

Spannung kann nicht einzig dadurch erzeugt werden, bestimmte Gattungen und Ausdrucksformen von Zeit zu Zeit für obsolet zu erklären und deren Anhänger als "üble Vertreter" zu outen. Im Gegenteil, das digitale Zeitalter verlangt ebenso nach der analogen Kunst wie umgekehrt. Denn je größer die Gegensätze, um so mehr kann sich dazwischen abspielen.

Träume und Kunst geben viele Antworten, aber keine Gewißheit. Sie sollten, im wahrsten Sinne des Wortes, was Wunderbares sein.

Vera Gliem
Köln, den 07.12.2025